Wetter & Weine in der Thermenregion

beschrieben von Karl Alpahrt

2015

Aufgrund des heißen Sommers war es besonders wichtig die Trauben zu reduzieren (Grünernte). Eine niedrige Stockbelastung war gerade heuer für die Qualität des Jahrganges 2015 sehr wichtig. Nur so konnte man dem Stress der Hitze entgegnen und eine vitale Traube produzieren.
Lesestart: 1.9. - 2015 war es sehr wichtig das Hauptaugenmerk beim Lesezeitpunkt auf die Frucht/Säure der Trauben zu legen! Zucker war ohnehin genug in den Beeren. Nur so war es uns möglich elegante Weine mit Trinkspaß zu produzieren.
2015 ist sicher ein Jahrgang der eher zur Üppigkeit neigt, hier wird das Winzerhandwerk besonders auf die Probe gestellt um harmonische Weine zu produzieren. Viel Vergnügen beim Probieren!

Auch heuer ernteten wir alle unsere Anlagen händisch, da auch alle Trauben kontrolliert, geputzt und sortiert werden. Nur eine gesunde und vitale Beere darf in den Keller. Eine Maschinenernte kommt aus Qualitätsgründen für unsere Weine nicht in Frage!

2014

Ein wahrlich außergewöhnliches Jahr. Perfekte Versorgung während der gesamten Vegetationsperiode, kein Hitzestreß für die Pflanzen und kühlere Nächte für die optimale Fruchtausbildung. Natürlich hat es viel geregnet. Aber die Thermenregion ist immer ein bißchen trockener, sodaß die Trauben gut ausreifen können. Auch wir hatten große Ausfälle und viel Arbeit mit dem Putzen und Sortieren der Trauben. Wir hatten das Leseteam enorm vergrößert um die perfekten Beeren von den anderen zu trennen. Kranke und beschädigte Beeren sehen den Keller nicht! Und es wurde alles von Hand aus geerntet! Maschinenernte wird aus Qualitätsgründen kategorisch abgelehnt. Ein Jahrgang, der seine Stärken auch nach vielen Jahren Flaschenlagerung zeigen kann.

2013

Die Blüte war völlig verregnet, sehr viele Trauben sind verrieselt, womit ein geringer Ertrag vorprogrammiert war. Im Herbst gab es dann eigentlich keinen Altweibersommer wie wir ihn gewohnt sind, denn bereits ab Mitte August waren die Nächte meist sehr kühl. Dadurch wird die Apfelsäure nicht so stark abgebaut und die Weine haben eine kräftige Säure. 2013 ist darum für mich eher ein Weißweinjahr mit knackigen, frischen Weinen. Aber auch die Burgundersorten sind sehr gut – durch den geringen Behang hatten wir sehr schöne, lockerbeerige Trauben in perfekter Verfassung, besser geht es nicht. Zweigelt und Cabernet Sauvignon haben in diesem Jahr nicht so gut funktioniert – aber das ist eben die Natur.

2012

Der Jahrgang 2012 war ähnlich wie 2011. In einem warmen, angenehmen Sommer hatten wir so gut verteilte Niederschläge wie selten; das war eine richtige Freude, diese saftig-grünen Weingärten zu sehen. Noch im Herbst saß man am Abend immer draußen, das heißt, die Nächte waren eigentlich zu warm. Die Zuckerreife war schon früh da, doch ging die Säure extrem schnell verloren, man musste also noch mehr als sonst darauf achten, den optimalen Lesezeitpunkt nicht zu verpassen. Wenn das geklappt hat, hat man burgundische, große Weine mit tollen Terroirnoten und einer langen Haltbarkeit. Wenn nicht, haben die Weine zu viel Alkohol und zu wenig Säure. Für mich war 2012 ein perfektes Rotweinjahr – allein schon aufgrund der herrlich reifen Tannine.

2011

Was den Rotwein angeht, war 2011 ähnlich wie 2012, die Weißwein waren aber fast überfruchtig mit einer ausgesprochen intensiven Aromatik. Ganz sicher ein großes Jahr mit leicht verständlichen Weinen, die sofort ansprechen. Der Sommer war perfekt mit einer optimalen Verteilung der Niederschläge. Die Spätsommer- und Frühherbstnächte waren nicht ganz so heiß wie 2012, daher war die Säure nicht so ein Problem – wiederum vorausgesetzt, dass man die richtigen Lesezeitpunkte erwischt hat. Fazit: 
Ein tolles Jahr für rot und weiß.

2010

Das Jahr begann mit einer späten Blüte nach einem langen Winter. Im mäßigen Sommer gab es gut verteilte Niederschläge – im Herbst, speziell im September aber zu viel davon. Bei gut ausgedünnten und freigestellten Trauben gab es zarte, strukturierte, verspielte Weißweine, die wirklich toll sind. Grüner Veltliner, Chardonnay und Piont Noir gefallen mir sehr gut – spät reifende Sorten wie Riesling und  Cabernet Sauvignon waren aber schwierig – speziell beim Cabernet Sauvignon hat in diesem Jahr die Tanninreife überhaupt nicht funktioniert.

2009

Nach einer frühen Blüte gab es einen schönen, heißen Sommer mit gut verteilten Niederschlägen. Im Herbst ließen sich die Rotweintrauben mit dem reif werden extrem lang Zeit, aber dann wurden sie phantastisch – speziell Cabernet Sauvignon und Merlot waren exzellent. Saubere Weingartenarbeit war wieder einmal wichtig – auch wenn das Wetter passt, muss man schon immer auf der Hut sein. Der 2009er Pinot Noir gefällt den Leuten gut, war aber eher der besonders fruchtige, milde, kräftige Pinot-Noir-Typ. Für spät reifende Sorten wie Riesling und Rotgipfler war es ein super Jahr.

2008

Das war ein Hammer – große Erträge, hohe Qualität – die Natur hat ihr Füllhorn ausgeschüttet. Sehr gefällige, entgegenkommende Rotweine, exzellenter, sehr fruchtiger Pinot Noir, weniger gut war das Jahr für Cabernet Sauvignon und Merlot. Die Weißweine waren wunderbar fruchtig und ansprechend, sofern man es mit dem Ertrag nicht übertrieben hat. Vom Charakter her würde ich sagen: Die Weißweine waren eher vordergründig als tiefgründig.

2007

Ein unterschätztes Jahr, es gab keine Extreme, darum ist es nicht so gut in Erinnerung geblieben. Schon im Frühling war die Wasserversorgung sehr gut, darum machte auch eine kurze Hitzeperioden im Juli mit bis zu 39 Grad keine Sorgen. Das Jahr brachte feine, ausgewogene, nicht zu schwere und trinkfreudige Weine. Allerdings öffnen sich sehr langsam und zeigen sich auch nach einigen Jahren immer noch verhalten. Eher burgundisch, eher strukturiert, nicht so freizügig und überfruchtig. Ein Jahrgang für Profis. Meine Empfehlung: Weine dekantieren.

2006

Von den ganzen heißen Jahren für mich das beste. Erstens haben wir schon 2000 und 2003 mit dieser Hitze und dieser Stresssituation im Weingarten umgehen gelernt und zweitens war 2006 ein wenig gemäßigter. Wieder ein eher trockener Sommer. Die 2006er Rotweine sind super – die Tannine sind absolut reif, die Weine vollmundig, weich, fruchtig. Ein Jahr das spät reifende Sorten wie Cabernet Sauvignon, Rotgipfler oder Zierfandler absolut begünstigt hat.

2005

Ein heikles Jahr mit sehr verspielten, zarten, zerbrechlichen Weinen. Die Weingartenarbeit war in diesem Jahr extrem wichtig, da der Herbst viel Regen brachte und die Traubenschalen zu dieser Zeit bereits sehr dünn waren. Für Rotwein sicher kein gutes Jahr – vom Pinot Noir einmal abgesehen. Chardonnay und Rotgipfler brachten dagegen sehr gute Weine.

2004

Mein Lieblingsjahrgang für Weißweine – der Rotgipfler Rodauner Top-Selektion ist auch nach zehn Jahren noch toll zu trinken und auch andere Weine wie der Neuburger oder der Pinot Noir stehen nach wie vor perfekt da. Der Jahrgang war allgemein unterbewertet, ist wenig aufgefallen aber für uns war es ein großes Jahr. Es brachte ausgewogene Weine, strukturiert und verspielt und eben auch sehr langlebig.